Marple and me: Corona-Roadtrip

Von Sylt in den Schwarzwald

Marple and me im Schwarzwald. "Zum Wilden Michel" im schönen Linach im Herzen des Schwarzwaldes. Auf dem Bild sind Stellplätze vor dem Gasthaus zu sehen. Der Hof ist noch im Bau, es ist der 2. Corona-Sommer.

Der Hauch von Freiheit

Der Corona-Roadtrip nimmt Gestalt an

Die Pandemie hat uns noch immer fest im Griff. Meine Mama wird immer unzufriedener, weil ihr Abenteuer fehlen. Wir haben Glück und sind an einem schönem Ort gefangen. Aber die Tage sind trotzdem eintönig. Da ich eine „systemrelevante Bulldogge“ bin, darf ich mit Papi auch den Zug benutzen. Immer wieder schaue ich aus dem Fenster in die Freiheit. Der Kalender zeigt den Anfang des Sommers 2021. Mit Test darf man wieder reisen und ich habe die perfekte Idee. Einen Corona-Roadtrip!

Ich erkläre mit Pfoten und Tatzen, dass meine Idee auf jeden Fall umsetzbar ist. Mama schaut sich mit mir Coco an und stimmt mir zu. Groß genug ist sie. Wir malen den Bauplan auf. Der Papi checkt erstmal rein gar nichts. Er ist der Meinung, dass es auf keinen Fall funktioniert: „Man kann aus einem Sport-Coupé keinen kleinen Camper machen“. Dann streng dich an! Wir wollen in den Urlaub fahren. „Dann nehmt doch eine Ferienwohnung, das ist auch mit dem Testen einfacher.“ Kann sein, wollen wir aber nicht. Und weil der Papi der Beste ist, baut er uns einen Camper.

1. Marple and me-Roadtrip: Bad Bodenteich (Niedersachsen)

Zufrieden schaue ich aus dem Fenster. Coco rollt in Richtung Niedersachsen. Es ist Sonntag, sonnig und ziemlich warm. Die Klimaanlage läuft auf Hochtouren. Der Benzinpreis für Super liegt bei 1,35 EUR und Mama ist total entspannt. So richtig wissen wir nicht, worauf wir uns eingelassen haben. Ich bin das Pipi-Machen auf der Wiese gewöhnt, aber Mama? Wir halten an. Es staut sich mal wieder im Hamburger Elbtunnel. Nach einer Weile geht es weiter und wir kommen ohne Unterbrechung in Bad Bodenteich an.

Sommer, Sonne, Kurpark

Es ist Tauwetter für Dicke. Immer, wenn mir warm ist, läuft mein Maul breit und meine Zunge hängt raus. Die Leute machen dann meist einen Bogen um mich. „Ist das ein Kampfhund?“ Mama klärt die Ahnungslosen auf … ich bin maximal ein „Mampfhund“ – ich liebe Futti. Zuerst erobern wir die Heide. Unzählige Wanderwege führen durch das Gebiet. Ein Farbenfest empfängt uns. Da es dort so richtig warm ist, kommen wir nicht weit. Als Kurzschnauze sind Temperaturen über 20°C nicht so mein Ding. Ich lege mich also an einem Stein in den Schatten und lasse den Tag Tag sein. Mama hat darauf so gar keine Lust, weil sie keinen Platz zum Sitzen findet und rumstehen müsste. Also fahren wir weiter in den Ort. Mal sehen, was es dort so gibt.

Wir umrunden den See im Kurpark und ich schlabbere jede Menge Wasser. So hält unser 5-Liter-Kanister im Auto länger, sinniere ich und halte gleich noch einmal an. Im Park sind viele Menschen unterwegs und genießen den sonnigen Tag. Tretboote sind der Renner am See. Wir setzen uns ans Ufer und genießen den Nachmittag. Immerhin gesteht sie mir die Schleppleine zu. Als würde ich mich hinter ihr wegschleichen … obwohl … es wäre einen Versuch wert. Ich entschließe mich aber dazu, den Park umzugraben. Die Grabungsstätte seht ihr neben mir. Die toten Gebeine der Regenwürmer reichen bis ins 12. Jh zurück. Wetten?

Die Geister, die ich rief

Am späten Nachmittag gehen wir wieder zum Auto. Es soll heute unsere erste Nacht in Coco werden. Wir stehen bereits auf dem Camper-Parkplatz, aber so richtig schön ist es nicht. Gleich daneben ist ein Skate-Park und dort sammeln sich so langsam die Jugendlichen. Boards knallen auf der Rampe. Die anderen Camper stören sich nicht daran. Sie sitzen in ihren Stühlen und geben sich dem Abend hin. Wir schlendern noch zum Schloss und ich schnüffele die restlichen Gerüche des Tages auf. Hinter der Anlage ist ein kleiner Wald und dort ist es schön schattig. Ein Weilchen bleiben wir dort. Vielleicht müssen wir uns nur daran gewöhnen, dass wir jetzt im Auto leben. Mama geht noch eben auf die öffentliche Toilette. Ihr Gesichtsausdruck sagt alles und ich warte brav an der Tür und gehe auch nicht in die große Pfütze in der Mitte. Das Pipi-Machen wird also doch zur Herausforderung.

Zurück am Auto schauen wir uns an und jeder weiß, was zu tun ist. Ich klettere auf meine Matte auf dem Rücksitz und Mama schnallt mich an. Wir fahren langsam los und suchen uns einen anderen Stellplatz. Nach einer gefühlten Ewigkeit und unzähligen Runden um Bad Bodenteich herum, sind wir in der Nähe des Otterzentrums und siehe da: ein wunderbarer Platz. Drei Wohnmobile stehen schon fein säuberlich geparkt. Wir suchen uns eine Ecke und machen uns schlaffertig. Das einzige Problem: Coco ist von der gefahrenen Strecke sehr heiß und sie wird auch bis zum Morgen nur langsam abkühlen. Trotz geöffneter Fenster ist es unglaublich warm im Auto. Ein Zelt kühlt in der Nacht schnell aus, ein Auto nicht. Trotzdem finden wir in den Schlaf, wenn auch mit vieeeel Hechelei.

2. Marple and me-Roadtrip: Waldeck (Hessen)

Ich werde am Morgen neben Mama wach und sehe gleich, dass ihr über Nacht etwas gewachsen ist. Es wohnt an ihrer Lippe und sieht dem WC-Geist von gestern sehr ähnlich. Ich überlege, wann es anfängt, mit mir zu sprechen. Aber ich sollte keine Witze machen, sonst springt es mich vielleicht an. Also lächle ich still in meine Lefzen. Mama zieht sich an und wir drehen eine Runde an unserem Übernachtungsort. Es ist kurz nach 6:00 Uhr und noch angenehm kühl. Nach unser beider Pipi-Runde gibt es Frühstück und Kaffee. Neben uns steht nun ein weiteres Wohnmobil und die Tür öffnet sich. Heraus kommen zwei große Artgenossen und ich freue mich. Vorbei ist es mit Kaffee, denn es wird wild. Mama sammelt mich schnell ein. Wir wollen noch die kühlen Stunden ausnutzen und weiterfahren. Och menno!

Weserbergland – Wir kommen

An uns ziehen viele Orte vorbei: Gifhorn, Peine, Hildesheim, Höxter. In Ottbergen finden wir einen schönen Rastplatz und drehen eine Runde an der Nethe. Zuerst kommen wir an ein Fußballstadion. Auf dem Nebenrasen spiele ich mit Mama Ball. Den haben wir immer dabei. Ich flitze, was das Zeug hält und habe jede Menge Spaß. Völlig ausgepowert trotten wir danach langsam am Fluss entlang. An einer Bank lernen wir ein junges Mädchen kennen. Sie hat einen braunen Bully bei sich, aber er ist ein richtiger Macho. Mit einem kurzen Schnauben kehre ich ihm mein wunderschönes Hinterteil zu und gehe hoch erhobenen Hauptes in Richtung Coco. Falls sich jetzt noch jemand fragt, wer Coco ist: Sie ist die wunderschöne rote Lady, unsere Festung und Freundin.

Am Auto baut mir Mama ein Mittagslager im Schatten und kocht sich etwas zu Essen. Es ist sehr schön hier, aber wir müssen noch weiter nach Waldeck. Nach dem Essen spült Mama das Geschirr und wir gehen zu den Pferden, die auf der Koppel hinter dem Rastplatz stehen. Die höre ich seit Stunden und möchte gerne wissen, was da vor sich geht. Außerdem mag ich Pferdeäpfel und möchte nichts verpassen. Mama meint allerdings, dass wir später einen richtigen Apfel essen. Ich gebe mich geschlagen. Dann geht es weiter in Richtung Edersee.

Königliche Absteige

Zwei Runden drehen wir, bis wir auf dem richtigen Parkplatz stehen. Mama will unbedingt zum Schloss. Was auch immer sie an diesen alten Gemäuern findet. Der Himmel bewölkt sich langsam und es ist drückend schwül. So weit kann es nicht sein, also gebe ich mich geschlagen. Zuerst geht es auf eine Aussichtsplattform und wir können über den Edersee schauen. Eine kleine Seilbahn schwebt an uns vorbei. Die Waldecker Bergbahn verbindet das Ufer mit dem Waldecker Schloss. Wie schön es hier ist. Dann trotten wir langsam die Auffahrt zum Castle hinauf. Im Torbogen ist es schattig und die Steine sind kühl. Hier platziere ich mich mittig und überlege, warum die Leute so schmunzeln. Was gibt es da zu lachen? In der Mitte des Weges ist es nun mal am kältesten und die Vanille-Eispfütze, auf die Mama penibel achtet, zeigt sich auch leckbar. Aber dazu wird es wohl nicht kommen. Ihr kritischer Blick sagt mehr als tausend Worte.

Wenige Minuten später stehen wir im Innenhof und drehen eine Runde. Vor dem WC hängt mich Mama an und ein nettes Pärchen schaut im sicheren Abstand, dass mich niemand klaut. Ich selbst sorge dafür, indem ich so richtig böse schaue. Sicher ist sicher.

Menschlich in kuriosen Zeiten

An diesem Abend führt uns der Weg zum Reisemobilstellplatz in Gemünden a.d. Wohra. Es ist schon recht spät und wir parken auf der linken Seite. Strom brauchen wir nicht. Aber wir hätten ein geeignetes Kabel dabei. Kurz nach uns kommt ein alter VW-Transporter. Das Kennzeichen verrät uns: er ist Österreicher. Wir fühlen uns gleich in Gemeinschaft. Der nette ältere Herr erzählt uns, dass man gegen Entgelt auch am anliegenden Campingplatz duschen und auf die Toilette darf. Großartig. Der Platz bekommt von uns fünf Pfoten – schon allein für die menschliche Geste in diesen unflexiblen Zeiten. Nachdem wir unsere coronabedingten Schlafplätze gegenseitig besichtigt haben, gehen wir auch schnell zur Nachtruhe – er auf seine Klappliege, wir auf unser Kunstwerk. Ich zeige mich von meiner besten Seite. Gute Nacht.

3. Marple and me-Roadtrip: Waldesch (Rheinland-Pfalz)

Heute Morgen regnet es. Nicht doll, aber es schaut so aus, als würde es so für die nächsten Tage bleiben. Was wir nicht wissen – wir fahren in die Flutkatastrophe. Es ist der 13.07.2021. Aufgrund unserer Reise sind meine Fütterungszeiten etwas außer Kontrolle. Ein paar Häppchen wären jetzt eigentlich ganz nett. Mama macht mir meinen Napf voll, aber im Regen habe ich dann doch keine Lust auf Futti. Höre ich ein erstes Schnauben am Vormittag? Ich rolle die Augen und lege mich ins Auto auf meine Matte. Sie entsorgt meinen Napfinhalt und reinigt das Gefäß. Dann packt sie unsere restlichen Sachen ins Auto und wir verabschieden uns von unserem „Nachtbarn„. Er fährt weiter in Richtung Norden.

Das Auto am See – Da staunt sogar Peter Fox

Am Aartalsee (Hessen) kommen wir zum Stehen. Und hier bleiben wir auch. Draußen regnet es noch immer. Mama sagt, dass wir spazieren gehen, wenn es kurze Lücken gibt. Ein paar Camper stehen schon auf dem Platz und blicken so wie wir auf das Grau des Tages. Mama liest mir aus ihrem Buch vor, wir telefonieren mit dem Papi und schlafen ein wenig. Zwischendurch verdrücke ich dann doch mein Futter. Als eine trockene Lücke entsteht, laufen wir am See entlang. Wir treffen nur ein paar Enten. Trotzdem genießen wir die schöne Umgebung und die Ruhe.

Meet and Greet: Kaiser Wilhelm

Weiter geht es in Richtung Koblenz. Wir müssen noch ins Bürgerzentrum für unseren Test. Denn heute geht es für zwei Tage in ein Hotel. Rückblickend denke ich, dass Mama eine Hellseherin ist. Am 14.07.-15.07. sind die Regefälle am stärksten und ich lerne, wie man einen Schirm benutzt – aber dazu später mehr. Jetzt merke ich, dass sie sich schon wieder verfahren hat und hake nach, ob ich uns vielleicht sicher ans Ziel bringen soll. In Boppard frage ich mich ernsthaft, wohin das führt. Auch hier sind wir total falsch. Irgendwie schafft sie es doch und wir haben am Nachmittag einen Negativ-Test und etwas zu Essen im Korb und fahren in unser Hotel.

Wie die Könige von Rom werden wir nicht empfangen. Aber es ist eine merkwürdige Zeit und wir sind nachsichtig. Nachdem meine Mama dem aufgebrachten Inhaber glaubhaft versichert hat, dass Handy und Powerbank leer sind und wir deshalb im strömenden Regen nicht anrufen konnten, dürfen wir in unser Zimmer. Sie macht sich ihren Platz fertig – Warmpad, Decke und Handtuch, damit wir nichts nass machen, wenn wir von draußen kommen. Meine Krake legt sie daneben. Ich steige inzwischen in mein Bett und sehe ihr seelenruhig zu. What? Ich will nicht nach unten …. wieso wirft sie mich aus dem Bett? Am Abend erkunden wir noch den Ort. Eigentlich ist es ganz schön hier. Auch das Hotel ist super. Draußen regnet es noch immer.

Zurück im Zimmer versuche ich noch einmal mein Glück auf der Schlafstatt, aber ohne Erfolg. Mama holt mir aber noch eine weitere Unterlage aus dem Auto und setzt sich zu mir vor das Bett. Ich fühle mich nicht mehr geliebt. Im Auto schlafen wir auch dicht aneinander gekuschelt. Warum darf ich nicht mit ins Bett?

Burg Thurant oder wie ich lernte, mit dem Regenschirm zu laufen

Am Morgen drehen wir wieder eine ausgiebige Runde durch den Ort. Mama hat ein gutes Frühstück genossen, während ich brav in Coco gewartet habe. Es ist der 14.07. und dicke Wolken schieben sich über die Mosel. Die Weinberge liegen trist an dem braun fließenden Gewässer. Aber der mystische Anblick der Burg Thurant lockt uns und gerade nieselt es nur. Also dann man tau.

Meine Mama ist manchmal echt witzig. Sie hat jetzt die Idee, den Moselsteig zur Burg zu nehmen. Ich zeige ihr gleich auf den ersten Metern, dass das eine ganz schlechte Idee ist und ziehe, was das Zeug hält. So richtig gefällt es ihr nicht, geht doch der Hang sehr steil nach unten. Was soll ich sagen? Sie lernt schnell und wir nehmen die „Straßenweg“. Hier kann ich mich wenigstens kugeln (ich lege mich auf den Rücken und schubbere mich ca. drei Minuten), wo und wann ich möchte. Und wenn ich einen Stock finde, dann bleibe ich halt liegen und nage wie ein Biber. Oben angekommen setzen wir uns auf eine Bank und schauen eine Weile über Alken. In die Burg darf ich nicht, aber auch so finde ich es ganz gut hier.

Als die ersten dicken Tropfen fallen, laufen wir bis zum nächsten großen Baum. Dort stellen wir uns unter. Der Regen wird nicht mehr aufhören. Also nimmt Mama den Schirm aus der Tasche und zeigt mir, wie ich laufen soll, damit ich unter dem Dach bleibe. Nach gefühlten Stunden kommen wir im Ort völlig durchnässt an. Also …. ich relativ trocken und sie pitschnass. In Brodenbach suchen wir uns einen Parkplatz, hören dem Regen zu und schauen auf die Mosel.

Vom Gedeons-Eck nach Boppard

Wir fahren am nächsten Morgen wieder nach Boppard. Die Sesselbahn können wir mit mir nicht nehmen, da die Sitze offen sind. Sie sucht die Straße, die zum Eck führen soll. Extra für mich. Ich fühle mich wieder wie ein geliebter Hund, aber ahne schon Schreckliches. Die Straße ist nicht da. Einfach nicht auffindbar. Wir beschließen, dass uns das Eck diesmal kann. Es ist so schwül, dass ich auf keinen Fall die Strecke laufen werde.

Was ich aber ganz gut finde, ist die Uferpromenade. Dort ist es auch ganz angenehm. Einige interessante Rüden sind unterwegs und so kann ich etwas flirten. Ich suche mir das schönste Café am Platz aus und Mama darf sich einen Cappuccino gönnen. Und ich gönne mir ein unmoralisches Angebot. Mir wird der Vater meiner Welpen vorgestellt und Mama gefragt, ob ich zum Werfen bereitstünde. Ihr Gesicht – unbezahlbar. Natürlich stehe ich nicht bereit. Wo sollen denn die ganzen Hunde wohnen, für dessen Produktion wir ein kleines Vermögen zahlen sollen? Keiner wird je gut genug für meine Babys sein! Also sagen wir höflich ab. Aber ein Hauch von offener Prostitution bleibt an der Promenade hängen.

4. Marple and me-Roadtrip: Furtwangen im Schwarzwald

Nachdem es auch gestern den halben Tag geregnet hat, verlassen wir nun die Rheinregion in Richtung Schwarzwald. Gestern, am 15.07., haben wir in den Nachrichten echt üble Bilder gesehen. Es sind Wassermassen um uns herum, aber wir haben Glück im Unglück und keine Schwierigkeiten auf der Strecke.

Mama hat uns Zum wilden Michel einquartiert. Der Hof liegt ursprünglich vor uns. Wir sind die einzigen Gäste. Ich bin sofort in die kleine Kapelle am Teich verliebt. Urs empfängt uns und erzählt kurz seine Geschichte. 2019 hat er den Hof übernommen. Dann kam Corona. Wir stellen uns auf unseren Platz und bauen unser Außenzelt für den Aufenthalt auf. Drei Tage wollen Mama und ich hier bleiben. Auch mein liebstes Gesicht verhindert nicht, dass ich an die Schleppleine muss. Sie hat mich bei jedem Streusel-Versuch erwischt und nun habe ich den Salat.

Auf den Feldberg hinauf

Wir haben vorzüglich geschlafen. Am Morgen fahren wir zeitig zum Feldberg. Es ist grau und die Sonne scheint durch die Wolken. Es wird heute wieder sehr warm werden. Zum Glück finden wir einen Platz im Parkhaus. Dort ist es angenehm kühl und Coco wird es auch bleiben. An der Seilbahn staune ich nicht schlecht. Wir wollen fahren. Sie kennt mich richtig gut. Die Sonne wird gleich durch die Wolken brechen und ich werde auch oben kaum noch einen Meter laufen wollen. Wir haben zwei Wasserflaschen für mich dabei. Papi sagt oft, ich bin wie ein V8 – was auch immer das heißen mag. Eigentlich könnte ich mich auch hier einfach an die Straße legen und den ganzen Tag Menschen und Hunde beobachten. Ihr ist das zu langweilig. Warum? Wir können ja auch gelegentlich die anderen Fellnasen anpöbeln.

Seilbahnfahren ist toll

Das Pärchen hinter uns hält ausreichend Abstand. Aber nicht die Seuche ist schuld, sondern sie nehmen von mir Abstand – mal wieder. Gut so! Wir steigen allein in unsere Kabine ein und ich darf hoch auf den Sitz. Somit kann ich aus dem Fenster schauen. Es ist wunderbar. Eigentlich viel zu schnell angekommen, steige ich oben mutig aus. Es wackelt ganz schön und verunsichert mich etwas. Aber ich bekomme das hin. Oben suchen wir uns ein schönes Plätzchen und lassen es uns gut gehen. Ein kleines Stück muss ich dafür allerdings doch laufen. Zahlreiche Wanderwege führen vom Gipfel in alle Himmelsrichtungen. Zweimal fragen mich Wanderer, ob ich gefährlich bin. Liegt es daran, dass sie lange nicht aus dem Haus durften? Oder warum denkt ganz Deutschland, dass ich auf die Liste gehöre?

Triberger Wasserfälle

Heute Nacht kam ein weiterer Camper auf den Platz. Ich bin etwas eingeschränkt, denn Mama möchte nicht, dass ich zu den anderen Leuten gehe. Die haben aber leckeres Essen dabei und fragen kann man ja mal. Jedes Mal, wenn Mama zur Toilette geht, werde ich nun extra gesichert. Spielverderberin. Aber so gut spreche ich dann scheinbar doch nicht italienisch, um meine Befreiung einzuleiten. Gleich fahren wir zu den höchsten Wasserfällen Deutschlands. Welche Bulldogge interessiert das? Da sie aber meinen Frisbee einpackt, steige ich ins Auto.

Der Parkplatz ist rappelvoll. Habe ich doch gleich gesagt. Dann können wir ja wieder zurück und an der Linachtalsperre den Frisbee werfen. Ich setzte mich wieder in Fahrposition. Da macht mir doch ein alter Mann meinen Plan kaputt. Mit Lichthupe und Winken zeigt er uns, dass er ausparkt und wir einen Platz in perfekter Lage bekommen. Mama nimmt natürlich dankend an.

Schwarzwälder Sklaverei

An der Kasse sitzt eine Dame, die scheinbar gerne schnattert. Zehn Minuten muss ich mich gedulden, weil sie Mama ihre Geschichte der Saisonsklaverei in der Touristenregion näherbringt. Weitere zehn Minuten sind meiner 3-Meter-Leine gewidmet. Sie suche noch eine Leine für ihren Struppi. Völlig apathisch liegt der arme Kerl im Kassenhäuschen zu ihren Füßen. Aber sie ist eine gute Hundemutti. Er hat ein weiches Kissen und sie eine lange Mittagspause.

Der Walderdbeerenweg

An den Wasserfällen ist es sehr voll und viele Hunde sind unterwegs. Die meisten Hundebesitzer halten sich an die Regel, dass die Leine jegliches Spiel unterbindet. Nur eine Familie mit einem wirklich süßen Riesenschnauzerwelpen sucht intensiv Hundekontakt. Na warte mal ab, wenn er groß ist. Ich verstehe Mama, warum sie mir ab und zu Dinge verbietet und gebe mich mal erwachsen.

Die Belohnung folgt auch gleich. Nachdem wir alle Wassertropfen angeschaut haben, gehen wir einen Wanderweg entlang. Und wisst ihr, was ich am Rand finde? Walderdbeeren! Ich liebe diese kleinen roten Dinger und bin sofort aufgeregt. Denn Mama wird sie gleich für mich pflücken. Und schon geht es los. Lecker. Eine Hundefamilie hält neben uns an und fragt, ob Hunde das fressen dürfen. Ich sage: „nein“, will ich doch die Beeren für mich. Sie sieht es anders und erklärt, dass es nicht gesundheitsschädlich ist. Es dürfen nur nicht so viele sein. Und das gilt auch für mich und sie packt ein paar Beeren für morgen ein.

5. Marple and me-Roadtrip: Schluchsee und Titisee-Neustadt

Am Wochenende gibt es eine Party beim Wilden Michel. Mama mag viele Menschen nur in übersichtlicher Erscheinung auf Abstand und so fahren wir weiter zum Campingplatz Schluchsee. Wir brauchen einen weiteren Negativ-Test und melden uns online an. Da meine Mama eine navigatorische Vollkatastrophe ist, finden wir das Testzentrum nicht. Panik bricht im Wagen aus. Den Negativ-Test bekommt Mama trotzdem aufs Handy und die Panikwolken ziehen vorbei. Wir können so zielsicher zum reservierten Platz.

Dort hat sich durch den Starkregen ein kleiner See gebildet. Wir schauen uns an und wissen: es ist Zeit, nach Hause zu fahren. An den Schluchsee möchte ich trotzdem. Mama erfüllt mir den Wunsch und steckt meine Regenjacke in den Rucksack. Die Nacht verbringen wir auf dem Stellplatz und bleiben im Auto. Unsere Fahrt würde übermorgen weiter zum Bodensee gehen und dann durchs Allgäu. Allerdings soll es die nächste Woche weiter in Strömen regnen. Das Regenband zieht über den ganzen Süden. Und wir können keinen Regen mehr sehen. Im Auto ist schon alles nass und schlammig.

So fahren wir am nächsten Tag nach Titisee-Neustadt und drehen noch eine Runde. Ich bin völlig erledigt und möchte nur noch schlafen. Mama geht es nicht anders. Wir ruhen uns aus und Coco fährt am späten Nachmittag in Richtung Autobahn. Knapp 1000 km liegen vor uns. Zehn Stunden Ruhepause für mich. Mama stellt sich ab und zu zwischen Camper und schläft ein Stündchen. Was so ein Bett im Auto für Vorteile hat. Der Papi freut sich riesig, als wir am nächsten Tag zu Hause ankommen. Er hat mich nämlich total vermisst.

Ihr wollt mehr Marple and me?

Wenn wir heute auf die Website vom Wilden Michel schauen, freuen wir uns für die Hofbetreiber. Das Projekt ist großartig geworden. Wer es laut und bunt mag, ist dort super aufgehoben. Eine klare Empfehlung mit fünf Pfoten. So setzt man Träume um! Hier unsere liebsten Erinnerungen. Weitere findet ihr oben und im Beitragsbild.

Nach oben scrollen
DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner