
Nicht immer einer Meinung, aber ein unschlagbares Team
Marple & me
Abenteuer am Rennsteig
Lesezeit: 21 Minuten
Marple and me am Rennsteig
Hundeferien
Endlich ist es September und meine Hundemama ist bereit, Zeit in mich zu investieren. Ausreichend Zeit. Nicht nur ein paar Stunden am Tag, nein 24/7. So, wie ich es verdient habe. Den „Du liebst mich nicht genug-Blick“ habe ich ausreichend trainiert, damit auch nichts schief geht. Vielleicht trage ich ihn auch die ganze Woche. Aber zuerst muss ich genau beobachten, was alles im Auto verstaut wird. Morgen geht es los. Ein wenig fröstelt es mich, als sie das Zelt in den Kofferraum packt. Was, wenn es regnet? Als Franzose hasse ich Regen und das weiß sie. Ich bin dann wie gelähmt und kann mich unter keinen Umständen mehr bewegen. Aber zur Not kann ich ja im Auto schlafen. Hoffe ich.
Sind wir endlich da?
Ich bin froh, dass wir schon um 04:00 Uhr losfahren. Dann kann ich im Auto weiterknacken. Meist ratze ich bis 10:00 Uhr, weil ich keinen Job habe und es mir leisten kann. Dass ich dann nicht gestört werden möchte, zeige ich mit einem Schnarchen an. So weiß jeder, dass er mich in Ruhe lassen soll. Als das Auto stehen bleibt, wage ich einen Blick über die Kante meines Auto-Hundekinder-Sitzes. Ich warte noch so ca. 30 Minuten, überlege ich, und dann zeige ich auf der Autobahn an, dass ich eine schöne Hunderunde drehen will. Mal sehen, wie sie die Herausforderung löst.
Über Stock und Stein

Wir stehen im Stau. Nichts mit Hunderunde. Aber sie wird schon nervös, weil sie weiß, dass mir danach der Sinn steht. Plötzlich schert sie aus und fährt die Ausfahrt der Autobahnmeisterei entlang. Vor ihr einige SUVs. An der Autobahnbrücke endet die Straße und vor uns liegt ein sehr unbefestiger Waldweg. Die hohen Autos haben weniger Probleme und sind auch schnell außer Sicht. Und wir? Wir stehen mitten im Wald. Auch das Navi hat keine Ahnung, wo wir sind. Na klasse!
Tapfer fährt sie den Waldweg weiter. Unter mir knallt und poltert es, aber es ist auch richtig spannend. Waldduft macht sich im Auto breit. Ich witterere Abenteuer und verstehe nicht so ganz, warum sie schwitzt. Eigentlich könnten wir hier anhalten und etwas streuseln gehen. Hungrig werde ich auch langsam. Plötzlich stoppt sie und spricht mit – einem Kettensägenmann. Der gibt uns zu verstehen, dass vor uns schon andere Autos durch seinen Wald gefahren sind und er das gar nicht lustig findet. Seine Kettensäge heult auf. Puh, er lässt uns aber weiterfahren. Mir ist langweilig und so frage ich: „Sind wir endlich da?“
Das Revier markieren
Endlich sind wir bei Camping Paulfeld angekommen. Ich bekomme mein Futti, was ich auch in wenigen Sekunden weggeschleckt habe. Mal sehen, was hier so los ist. Die Leine hasse ich. Aber ich mache auch gerne mein eigenes Ding und somit haben wir uns auf die lange Leine geeinigt. Während sie mit Dauercampern diskutiert – die Gäste von letzter Woche haben wohl Nudeln in deren Hecke gekippt und sie denken jetzt, wir machen das auch – und sichtlich abgelenkt ist, muss ich doch gleich mal jedem Hund, der auf seiner Runde hier vorbeikommt, zu verstehen geben, dass ich jetzt hier wohne. Warum sie mich zurechtweist? Ich weiß es nicht und setzte mich schmollend hin, als sie mich nun mit der kurzen Leine begrenzt. Das Zelt steht immer noch nicht. Soll sie sich mal lieber darum kümmern, es wird bald dunkel!



Die Sache mit der Dusche
Ich habe vortrefflich in meinem Schlafsack auf Mamas Matte geschlafen. Sie hat auch jede Minute darauf geachtet, dass mir nicht kalt ist. Auf meiner Matte hätte das nicht so gut funktioniert. Außerdem kuschel ich gerne. Es ist noch sehr früh am Morgen und mir ist klar, dass die Wiese sehr nass ist. Trotzdem muss ich aufstehen. Unser Zelt steht am unteren Ende des Platzes und gleich am Angelsee vorbei gibt es ein Tor, welches zum Hundeauslauf führt. Der Auslauf ist ein Waldstück zum Schnüffeln und Entdecken, aber auch voller Hunde-Poo-Poo. Ich muss also auf meine Pfötchen aufpassen.
Erleichtert komme ich mit ihr zurück und sie öffnet das Auto. Prima, gleich geht es auf Piste. Aber halt … was machst du … warum steigst du nicht ein? Da schleppt sie ein Handtuch und einen Sack in Richtung oberes Haus. Die feine Dame muss noch duschen. So kuschele ich mich in meinen Sitz und mache noch ein kleines Nickerchen. Ich höre sie ja, wenn sie zum Zelt zurückkommt. Unser Wagen parkt gleich daneben.
Finsterbergen
Wir wollen also auf den Hainfelsen. Mein Streitwagen wird mit Wasser und Snacks befüllt. Und dann geht es schon los. Zuerst muss ich noch im Team laufen, aber als wir die Straße hinter uns gelassen haben, darf ich an die Schleppleine. Sicher ist sicher. Manchmal ereilt mich der Impuls, einfach einer Fährte nachzulaufen. Und dann ist es mir egal, ob mich jemand ruft. Was sehe ich da? Ein Stock inmitten von Stöcken? Da muss ich erst einmal nachschauen. Und wenn wir schon hier sind, entschließe ich mich, für die nächsten 30 Minuten an diesem Stock zu kauen.
Hainfelsen
Nach einer längeren Strecke ruft mich Mama ran. Ich weiß gar nicht, was da los ist. Aber dann wird es mir klar. Drei Silberköpfe kommen mit ihrem Streitwagen über den Forstweg gefahren, weil auch sie vielleicht den Weg zu Fuß nicht ganz schaffen. Wir warten am Wegesrand und werden in eine Staubwolke gehüllt, da die Silberrücken mit hoher Geschwindigkeit an uns vorbeibrausen. Manchmal ist Zeit sehr knapp, überlege ich und denke, dass auch ein kleines Hundeleben nie lang genug ist.
Wir biegen an einer Kreuzung ab und kommen auf einen weiteren Forstweg mit noch mehr Stöcken. Hier kann ich mich nicht so recht entscheiden. Also bleibe ich auf Kurs, obwohl mir langsam langweilig wird. Und dann passiert es. Wir gelangen auf einen schmalen Pfad. Davor steht auch schon der Streitwagen der Silberkappen. Sofort sind alle Geister geweckt, denn hier wird es interessant. Ich klettere für mein Leben gern. Da ich ein Teamplayer bin, weiß ich, dass ich jetzt auf meine Wagenlenkerin achten muss und wir gemeinsam zur Blockhütte aufsteigen müssen. Der Wagen passt gerade über den schmalen Steig. Da kommen uns die Fahrerinnen des anderen Wagens entgegen. Wir quetschen uns höflich in den mit Sträuchern bewachsenen Hang und lassen die Damen passieren. Die Frauen verstehen nicht, warum wir mit einem Kinderwagen diesen Weg laufen müssen und schütteln ihre Köpfe. Hallo? Das ist kein Kinderwagen und eure Karre steht ja auch auf dem Forstweg!
Schau mir in die Augen
Von der Hütte haben wir einen wunderbaren Ausblick auf Finsterbergen. Nach einer Pause machen wir uns auf den Rückweg. Durch die Stadt über den Rundweg möchte sie mit mir heute nicht laufen. Ich gebe zu, Stadt ist mit mir sehr anstrengend, da ich mich von jeder noch so kleinen Sache ablenken lasse. Sie aber auch – und einer braucht den Fokus.
Da die Senke am Pfad sehr steil ist, darf ich noch nicht in meinen Wagen steigen. Ich fühle mich gerade sehr ausgebrannt. Sie stellt sich aber auch wieder an. Wir laufen um die Kurve und ich bin sofort verzückt. Kommt doch ein struppeliger Weiß-Beige-Rowdy um die Ecke gepfiffen, direkt auf mich zu. Er ist sofort bei der Sache, checkt mich ab und auch ich bin nicht abgeneigt. Gegen eine neue Bekanntschaft habe ich nichts einzuwenden.
„Schau mir in die Augen, Kleines!“ Aber was macht Mama? Sie sagt, er soll gehen und schaut sich nach seinen Eltern um. Keiner da. Was habe ich doch für ein Glück. Meine Leine habe ich inzwischen um alles gewickelt, was wir so dabei haben. Wooohooh. Ich liebe es. Und dann versaut sie mir alles und pfeift. Rowdy schaut erschrocken und aus der Ferne hören wir eine Männerstimme rufen. „Tschuldigung“, ruft der Hundepapi. „Ich muss los. War schön …“ und weg ist Weiß-Beige-Rowdy. Traurig blicke ich ihm nach. Und dann entknoten wir meine Schleppleine.



Zurück lasse ich mich fahren. Hoch erhobenen Hauptes sitze ich in meiner Droschke und genieße die Umgebung. Es ist so gut wie selbst laufen. Würde ich jetzt noch ein Stöckchen haben, könnte ich es auch hier im Wagen nagen. Das merke ich mir für die nächste Fahrt – und bunkere mir dann schon mal entspechende Exemplare.
Oberhof
Draußen regnet es und so lassen wir uns an diesem Morgen Zeit. Nach dem Duschhaus holt sie mich aus dem Auto und wir kuscheln uns in unser Nest. Hier drin ist es schön trocken. Während sie in ihrem Buch liest, krault sie meine Öhrchen. Besser geht es nicht. Plötzlich hören wir ein Rascheln. Ich bin so aufgeregt, dass ich kurz belle. Passiert mir sonst nie! Langsam öffnen wir die Frontluke und sehen hinaus. Nichts. Schnell bin ich durch ihre Beine geschlüpft, um das Zelt herum geflitzt und traue meinen Augen nicht. Freunde für mich!
Alpakas in freier Wildbahn

Jetzt geht alles sehr schnell. Mama muss mich einfangen, damit ich die Alpakas nicht erschrecke und wir Ärger bekommen. Verstehe ich, aber ich hätte es auch mal richtig krachen lassen können. Unten durch und oben drüber. Ich habe heute Energie für drei Hunde. Schnell machen wir noch ein Foto – das Handy in der einen Hand und mich in der anderen. Dann darf ich in sicherem Abstand den Zirkus anschauen. Rrrrrgh … wie schön. Der Regen lässt nach und wir packen unsere Sachen. Es geht auf Piste!
Habe ich Erdwespe gehört?
Wir fahren nach Oberhof und parken am Grenzadler. Da es heute sehr kühl ist, bleibt mein Streitwagen im Auto. Wir wollen bis zum Hohen Schorn und wieder zurück. Energiegeladen wie ich heute bin, stellt das kein Problem dar. Oder doch? Schnüffelnd laufe ich los. Unterwegs müssen wir immer wieder anhalten, weil die Sommerskipisten den Steig kreuzen. Die Skiprofis brausen mit ihren Sommerski an uns vorbei. Famos. Es geht immer weiter in Richung Hoher Schorn.
Wir passieren an einer Kreuzung eine Schutzhütte. Danach wird der Weg ein wenig schmaler. Eine Art Wall führt nach oben in den Wald. Und jetzt bin ich in meinem Element. Zuhause tobe ich über jeden Schutzwall, den ich finden kann. Fast jeder Nordfriese hat einen um sein Grundstück herum und so habe ich richtig Übung. Mama bremmst mich kurz ein, da ich meine ganze Energie hier nicht verpulvern soll. Schließlich müssen wir auch wieder zurück. Aber sie ist keine Spielverderberin, also lässt sie mich dann doch noch einmal hoch. Und das nutze ich komplett aus.
Anaphylaxie-Schulung
Ich grabe und bin völlig geschockt. In der Ferne höre ich es pfeifen, ich weiß nicht, wie lange ich still stehe. Dann flitze ich zu Mama. Sie weiß, was zu tun ist. Ich sehe ihr entsetztes Gesicht und bin mir nicht sicher, wie das enden wird. Ihr Blick sagt mir nichts anderes. „Lauf“, ruft sie und wir rennen was das Zeug hält, in Richtung Schutzhütte zurück. Um mich herum summt es.
Als das Summen aufhört, bleiben wir stehen und sie schlägt mit meiner Leine alle Erdwespen von mir ab. Schnell, und ohne mir weh zu tun. Dann nutzt sie meinen Adrenalinkick und wir laufen noch bis zur Hütte. Dort baut sie mir ein Lager und pflückt die restlichen toten Wespen von mir. Mein Körper ist beulig und ich zittere wie verrückt. Mama tröstet mich und macht ein Foto für den Tierarzt. Das letzte, was ich höre: Ich habe ein Erdwespennest gestürmt.
Ich esse doch schon Low-Carb
Mein Zittern weicht der Apathie. Meine Hundemama macht sich jetzt große Vorwürfe, weil sie den Streitwagen im Auto gelassen hat. Aber sie ist stark und wird mich tragen. Es sind ca. 3,5 km bis zum Auto. Ich bin so benebelt, dass ich auf keinen Fall laufen kann. Den Tierarzt im Visier traben wir los. Vielleicht werde ich ab morgen etwas Diät machen, sie japst unter meinen knapp 17 kg ganz schön. Immer wieder setzt sie mich ab und schaut, wie es mir geht.
Langsam kehrt das Leben in mich zurück. Ich bin dem anaphylaktischen Schock von der Schippe gesprungen. Den letzten Kilometer laufe ich auch allein und freue mich, als ich mich im Auto in den Sitz kuscheln kann. Zum Tierarzt müssen wir glücklicherweise nicht mehr. Ich darf gleich ins Zelt und sogar noch mein Abendessen genießen. Völlig uppe schlafe ich auf Mama ein. Was für ein Tag! Und morgen? Morgen habe ich es vergessen und werde wieder buddeln, wo es mir gefällt.



Bergsee Ebertswiese
Das Auto parken wir an der Neuen Ausspanne. Mama baut meinen Streitwagen auf. Den werden wir heute brauchen, da wir zum Bergsee wollen. Ich bin schon wieder gut drauf, aber meine Dienstherrin will auf Nummer sicher gehen und ist heute sehr vorsichtig. Die Wolken stören uns nicht, es gibt einige Schutzhütten am Weg. Dort könnten wir bei Regen ausharren. Über die alte Ausspanne bis zur Schmalkalder Hütte bleiben wir auf dem Rennsteig. Der Weg ist wenig spektakulär und so muss ich selbst für einige Abenteuer sorgen.
Schneckentempo
Heute untersuche ich die Flora und Fauna am Wegesrand. Dazu gehört das minutenlange Beschnüffeln jeder Pflanze im Meterabstand. Dann notiere ich meine Ergebnisse, indem ich einfach stehen bleibe und in die Luft starre. Ich unterbreche meine Forschungsarbeit nur, wenn ein anderer Hund an der Leine an mir vorbeikommt. Da heute alle wohlerzogen sind, gibt es für mich keinen Kontakt. Die Herrin sagt immer: „Keinen Kontakt an der Leine“. Finde ich auch. Alles andere stresst mich. Heute habe ich alles zum glücklich sein und schnüffele mich vorwärts.
Ich merke, dass sie langsam ungeduldig wird. Dabei sind wir mit einer Geschwindigkeit von mindestens 100 m pro Stunde unterwegs. Sie will, dass ich mich etwas schneller bewege oder in den Wagen steige. Ich entscheide mich für Option zwei und lasse mich chauffieren. Die Langstreckenfahrt enthält sogar einen kleinen Snack. Wunderbar. Holterdiepolter geht es weiter über Stock und Stein. Wir wollen Strecke machen. Nur gut, dass Papi stoßdämpfende Reifen empfohlen hat.
Bodenbuffet
Dann biegen wir zur Ebertswiese ab. Hier möchte ich wieder selbst laufen. Mit der Hoffnung auf einen Natursnack – ja, ich fresse auch gerne mal einen Drops am Wegesrand – suche ich den Wiesen- und Waldrand ab. Aber weder Katze noch Hund noch Schaf haben mir eine Perlenkette hinterlassen. Ich bin ziemlich unzufrieden. Dann stockt das Gespann. Eine Absperrung mit Schranke hindert uns am Weiterkommen. Für den schmalen Durchgang ist der Wagen zu breit. Aber ich kann schon den Imbiss riechen, der sich hinter der Hecke versteckt. Wenn Kinder hier gegessen haben, liegen jede Menge Köstlichkeiten für mich am Boden. Und so ziehe ich an der Leine, was das Zeug hält.
Nicht-Angler-Papi und der See
Aber es geht nicht vorwärts. Ich drehe mich um und schaue, was sie so treibt. Sie ist fast mit dem Wagen unter der Schranke durch. Endlich. Unter den Bänken am Imbiss darf ich nicht schnüffeln, obwohl hier bestimmt viele Essensreste liegen. Mama ist heute richtig gemein zu mir. Ob mir der Tierschutz helfen kann? Die Option behalte ich mal im Hinterkopf. Am See sehe ich Angler. Yeah … der Papi ist da und so stürme ich nach vorne. Schnell stelle ich fest, dass Papi nicht nach Papi riecht und schaue fragend die Herrin an. Sie erklärt mir, dass Papi nicht hier ist und ich nur mit ausreichend Abstand die fremden Angler beobachten darf. Wie jetzt? Ich darf nicht zwischen den Angeln sitzen?
Das gefällt mir nicht und so erkunden wir den See. Da ich Pfützensäuferin bin, schlabbere ich Seewasser in Massen. Wir haben zwar immer ausreichend Wasser dabei, aber das saufe ich nur, wenn sich keine andere Möglichkeit ergibt. Heute Abend werden wir beide wissen, wie gut das Seewasser ist. Ich bin eine Bulldogge und was kann ich noch besonders gut?
Empfehlung zur Evakuierung
Wir haben Glück und der See ist nicht überlaufen. Der Ort ist traumhaft schön. Der See ist durch eine Fesenformation umschlossen und passt gut in ein Feenreich. An einer kleinen Schutzhütte sitzen wir eine ganze Weile auf einer Bank und genießen den Nachmittag. Vögel zwitschern über uns. Dann wird es Zeit für den Rückweg. Bis zum Rennsteig laufe ich und dann setze ich mich in den Wagen. Ich bin müde. Es ist mir egal, dass sie den Wagen eine Anhöhe hinaufschieben muss. Laufen werde ich heute auf keinen Fall mehr. Außerdem muss das Seewasser in mir reifen.
Endlich sind wir wieder am Auto. Ich bekomme noch mein Futti und sie einen Cappuccino. Dann fahren wir zurück. Nach der letzten Abendrunde im Hundeauslauf geht es in den Schlafsack. Das Seewasser ist fertig. Und so zünde ich die erste Riechgasbombe. Langsam zieht sie aus dem Schlafsack in die Stoffbahnen des Zeltes. „Ugh – Marple“, höre ich und freue mich auf die Würgegeräusche, die mich ab jetzt die ganze Nacht begleiten werden.



Großer Inselsberg
Aufgewacht, die Sonne lacht! Wir sind jetzt am Morgen schon richtig eingespielt und Mama hat auch ihren Porridge schnell verspachtelt. Alles rein ins Auto und dann zum Parkplatz Heuberghaus. Der Stellplatz füllt sich langsam und so muss ich im Auto warten, bis alles bereit und aufgebaut ist. Und dann geht es los. Unser heutiges Ziel: Der Große Inselsberg. Zuerst gestaltet sich der Weg einfach und breit. Ich bin heute sehr kooperativ und so kommen wir zügig voran. Wir haben sehr gutes Wetter, die Vögel zwitschern und die saubere Luft ist einfach magisch. Da will ich mal nicht so sein. Bis zum Kleinen Jagdberg führt uns der Weg über den Radweg. Dann zweigen wir Richtung Großer Jagdberg ab.
Ich (Marple) – einfach wa(u)nderbar
Unser Gespann stoppt nach einem wunderbaren Waldstück. Schnüffelbar und hoch interessant. Ich bleibe stehen und setze meinen fragenden Blick auf. Ja, Mama hat mir beigebracht, zu kommunizieren. Sie macht verschiedene Gesten und ich weiß, was sie von mir möchte. Umgekehrt geht das auch. Und ich liebe es, sie in den Wahnsinn zu treiben. Ein Beispiel? Wir gehen unsere Hunderunde in gewohnter Umgebung. Hier darf ich schon mal entscheiden, wo ich schnüffeln möchte. Vielleicht ist ja ein neuer Rüde im Dorf. Sie bekommt ja meist nichts mit. Dann bleibe ich an einer Abzweigung stehen und das Gespräch beginnt.

Sie fragt mich, wohin ich möchte und zeigt im Uhrzeigersinn auf die Möglichkeiten. Ist meine Auswahl dabei, bestätige ich durch einen bestimmten Blick und wenn sie einverstanden ist, geht es dort entlang. Dann entscheide ich mich kurzfristig um, bleibe stehen und die neue Abfrage beginnt. Das schaffe ich auch fünf Mal hintereinander. Wunderbar.
Jetzt bekomme ich aber die Anweisung: „Bleib wo du bist“ und gehorche. Mama schnallt mich ab und bringt meinen Streitwagen in Position. Wir müssen einen schmalen Treppensteig nach unten und das, ohne über mich oder meine Pfötchen zu fahren. Sobald mein Signal aufgehoben ist, bin ich nicht mehr fokussiert. Ich bin eine Französische Bulldogge und kein Hund. Deswegen muss ich wieder an die Leine. Links raschelt es leise und ich werde richtig wuschig.
Der Duft von Bratwurst und der Gesang von MIMI
Und dann geht es auch schon los. Ich laufe am Ende des Trecks und überwache das Geschehen. Links, rechts … ja, und jetzt gerade aus. Ich ermutige Mama, damit sie den Auftrag auch korrekt erfüllt. Dann sind wir unten und laufen den Wanderweg weiter bis zum Inselsberg. Kurz vor dem Aufstieg entdecken wir einen Bratwurststand. Konsequent passieren wir diesen, denn wir wollen oben im Restaurant auf der Terrasse einen Imbiss nehmen. Wir laufen an einem kleinen Gasthaus vorbei und starten den Weg hinauf. Ich bin jetzt ein wenig lustlos und würde gerne fahren. Mama sagt, dass sie das nicht schafft. Der Wagen wäre dann zu schwer. Ich höre nur „Mimi.“ An der nächsten Biegung wird es noch steiler. „Mimi.“
Menschen gibt’s …
Wir machen an einer von drei Bänken halt. Ich warte geduldig, bis Mama mir meinen Wassernapf gefüllt hat. Sie steht mit dem Rücken zu den anderen beiden Bänken, als eine ältere Dame mit ihrer Tochter auf uns zusteuert. Ich gebe deutlich zu verstehen, dass es unsere Bank ist. Denn scheinbar wollen die beiden nicht eine der freien Bänke benutzen. Noch bevor Mama etwas sagen kann, sitzt die ältere Dame auf meiner Bank. „So aber nicht, meine Liebe!“, fauche ich. Der Rucksack ist inzwischen von der Bank gefallen und ergießt seinen Inhalt auf dem Weg, das Wasser meines Napfes fließt dazwischen. Die Leine mehrfach um Mama gewickelt. Sie versucht, die Lage zu retten und zieht mich zu ihr. Die Dame säße immer auf dieser Bank und wir sollten uns doch ein anderes Plätzchen suchen. Was sagt man dazu?
Alles wieder im Rucksack verstaut, traben wir den Weg weiter nach oben. Und dann erreichen wir den Gipfel. Das Wetter ist so schön und die oberen Terrassen so voller Menschen. Also rasten wir kurz und treten dann wieder den Rückweg an. Einen Imbiss mit Cappuccino gibt es nicht. Unterhalb der Treppen zur Aussichtsplattform spricht uns ein älteres Paar an. „Der Hund hat einen Wagen?“ „Ähm … ich bin kein Hund. Ich bin eine Französische Bulldogge. Und ja, wie alle Kinder habe ich einen Wagen, ausreichend Regen- und Wintermäntel, mehrere Betten, Decken, Kissen, Kuscheltiere, Spielzeuge.“ „Da geht es ihm ja besser als manchem Kind.“ Das stimmt. Ich habe gute Hundeeltern.
Der Weiße Ritter
Dann geht alles ganz schnell. Durch den Schnack hat sie vergessen, die Kurzhalterung bergab am Griff zu befestigen. Ich sehe einen potenziellen Anwärter auf den Job: Vater meiner Welpen und rucke kräftig an der Leine. Sie will mich zurückordern und lässt für zwei Sekunden den Wagen los – erwischt aber den Griff nicht mehr. Und ab geht er. Ich habe ein schlechtes Gewissen und renne dem Wagen nach. Keine zwei Sekunden später tritt unser Weißer Ritter auf den Weg und fängt den Wagen auf. Auch heute sagen wir nochmals: „Danke!“ Wir haben sehr viel Glück gehabt. Unser Wagen wäre sonst auf die Straße gerollt und hätte einen Autofahrer erschrecken können.



Eine Bratwurst für den Rückweg
Der Duft der Bratwurst zieht wieder über den Weg. Sie hat nur noch eine Dose Bohnen im Zelt, sinniere ich, und so komme ich dem Paradies sehr nahe. Aber schließlich isst sie die Wurst alleine und ich bekomme nur eine Dose Hundefutter. Aber halt. Ihr fällt was aus dem Mund. Schnell lecke ich es auf. Dann ereilt mich die Nachmittagsträgheit. So beschließe ich, in meiner Droschke den Rückweg anzutreten. Schlafend werde ich den Radweg, der parallel zum Wanderweg verläuft, zurück zum Parkplatz geschoben. So muss ich nicht aussteigen. Die letzten Meter bis zum Auto laufe ich dann doch noch, weil sie mir zu langsam ist. Zurück am Lager kuschele ich mich auf meine Matte und Mama deckt mich zu. Was für ein Tag!
Burgherrin der Wartburg
An unserem letzten Tag besuchen wir eine Burg. Auch ein Luther soll hier schon geschnüffelt haben. Wir fahren mit dem Auto nach Eisenach und parken unterhalb der Wartburg. Über einen fabelhaften Wanderweg, der uns direkt durch den Wald führt, kommen wir zur Anlage.

Die Burg schauen wir uns nur von außen an, da es ziemlich voll ist. Mama kennt sie schon von innen und ist deswegen nicht sauer. An diesem Tag lasse ich es noch einmal richtig krachen. Über Stock und Stein kann ich immer. Auf dem Weg nach unten bin ich manchmal zu schnell und reiße meine Herrin den Hang hinunter. Steile Pässe können wir nicht zusammen laufen – wir haben es am Moselsteig versucht. Es funktioniert nicht. Aber hier bin ich in meinem Element und so vetreiben wir uns den Tag auf Wegen um die Burg herum. Und dann geht es zurück zum Lager. Regen ist angesagt und die ersten Tropfen fallen schon aus den Wolken. Im Lager kuschele ich mich in die Daunen und Mama fängt schon an zu packen. Morgen geht es wieder nach Hause.



Winterwanderung über den Rennsteig
So sieht es im Winter am Rennsteig aus, wenn Schnee liegt. Der Steig ist zauberhaft, wenn ihn eine Winterlandschaft umgibt. Wer die Einsamkeit liebt, ist hier gut aufgehoben. Rund um Oberhof trifft man gelegentlich auf Ski-Langläufer. Nach Etappenunterkünften muss man im Winter länger suchen. Eine Buchung vor Start ist sicherer. Eine Übersichtskarte ist empfehlenswert, damit man die Einstiege nach Etappenende auch wiederfindet. (Dr. Barthel Verlag // Rennsteig – von mir genutzt, aber auch OUTDOOR, Kompass und weitere Verlage bieten gute Karten an.)



