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Von Lunden nach Tondern

Eine Reise von Lunden nach Husum
Wusstet ihr, dass es einen Pilgerweg von Lunden nach Tondern gibt? Auch ich war überrascht, als ich das Kartenmaterial im Regel meines Buchhändlers stehen sah. Am 07.08.2021 wanderten sie in meinen Besitz. Der schon fast verblichene Kassenzettel in der Hülle erinnert mich daran. Jetzt, im Jahr 2026, krame ich sie wieder hervor und mache mich auf einen ganz besonderen Weg. Das Pilgern weniger im Hinterkopf als die Erkundung unseres wirklich schönen Schleswig-Holsteins. Es erwarten mich wirklich schöne Etappen, die an wunderbaren Orten vorbeiführen. Einen Teil werde ich mit dem Rad fahren, den anderen laufen. Ich bin gespannt.
Aktivitätenplaner für den Pilgerweg
Kurzüberblick
- Tour in einzelnen Etappen oder auch als Wochenreise
- Planbar mit der Deutschen Bahn, wenn man die Etappen selbst aufteilt
- Bahnhöfe in Lunden, Husum, Langenhorn, Niebüll, Tondern
- Busverbindungen auf der gesamten Strecke (Landverkehr mit wenig Fahrten)
- Wander- oder Radtour
- Rastmöglichkeiten auf dem Weg
- E-Bike Ladestationen
- Übernachtungsmöglichkeiten für Pilgernde in Gemeindehäusern (Reservierung erforderlich)
- Hotels und Pensionen in den größeren Orten
Pilgern an der Nordsee – 1. Etappe
Von Lunden nach Oldenswort (ca. 17 km)
Lunden und der Geschlechterfriedhof
An einem wunderbaren Sommertag steige ich recht früh am Morgen in Lunden aus der Marschbahn. Mein Fahrrad im Gepäck werde ich heute die ersten beiden Etappen bis Husum zurücklegen. Das kleine Örtchen liegt noch völlig verschlafen vor mir. Mein erstes Ziel ist die St. Laurentius Kirche. Dort befindet sich auch der Geschlechterfriedhof, der mir als eindrucksvolles Monument Dithmarscher Geschichte vorgestellt wird. Einflussreiche Bauerngeschlechter fanden hier die letzte Ruhe. Ein jedes Grab gehört zu einem Hof. Kulturgeschichtlich einmalig. Wer eine Führung möchte, kann hier über das Kirchenbüro eine Anfrage stellen.
Nach einem Rundgang starte ich meine Tour. Ich fahre die Claus-Harms-Straße hinunter und verpasse den Abzweig in die Ringstraße und muss ein ganzes Stück zurück. Aber ich entdecke eine Jakobsmuschel an einem Straßenschild. Jetzt fühlt es sich doch wie Pilgern an. Der Weg leitet mich auf einen alten Deichweg. Das Land öffnet sich und ab hier fühle ich mich frei.
Der Alte Deichweg nach Wollersum
Nach einer Weile sehe ich einen Leuchtturm durch Bäume blitzen. Das „Liebevoll hinterm Deich“ macht seinem Namen alle Ehre. Am Wochenende werden hier Frühstück und Brunch serviert, aber da ich gerade erst losgefahren bin, mache ich hier noch keine Pause. Der Deichweg führt mich weiter nach Wollersum.



Tönning und die Eider
In Wollersum kann ich auf die Eider schauen, bis nach Tönning. Ein kleiner Badesteg lacht mich an. Ich lächle zurück: ‚Ein anderes Mal vielleicht, jetzt muss ich weiter.‘ Rechts von mir grasen friedlich Kühe an der Binnenseite des Deiches. Links geht der Blick in die Marschlandschaft und dann ab und zu auch auf einen Bauernhof. Schnell erreiche ich meinen Abzweig und fahre den Fuß- und Fahrradweg in Richtung Tönning. Bevor ich zur B5 komme, mache ich einen kurzen Abstecher an das Ufer der Eider und genieße einen Moment die Ruhe. Von hier sehe ich die Brücke, über die ich gleich fahren werde.
Ich passiere den Rasthof an der B5 (Toilette vorhanden) und befinde ich mich auf der Brücke, die mich über die Eider bringt. Mit dem Blick auf den Kirchturm von St. Lautentius (kein Schreibfehler, beide Kirchen heißen so) und auf den Tonnenhof radle ich langsam am blauen Geländer entlang. Tönning selbst werde ich heute nicht besuchen. Schade eigentlich, weil Tönning wunderschön ist. Das Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum, der Historische Hafen und das Packhaus Tönning sind auf jeden Fall immer einen Besuch wert. Folgt mir doch einfach auf Instagram und wartet auf die Tönning-Tour. Bis dahin gibt es hier Informationen für einen gelungenen Besuch.



Immer gerade aus
Nach dem Gewerbegebiet geht es gerade aus. Leichte Kurven machen die Strecke nicht zum Highlight, aber der offene Blick. Ich lasse mich und meine Gedanken einfach über den Wirtschaftsweg treiben. Ich fahre an der ältesten Siedlung von Eiderstedt vorbei: der Warft Tofting. Das Archäologische Denkmal hält eine Hinweistafel bereit. Der Kirchturm von St. Pankratius, dem Dom von Eiderstedt, leitet mich direkt nach Oldenswort.
Oldenswort
1400 Einwohner zählt der Ort. Zwei Ladestationen für E-Bikes mit insgesamt fünf Steckdosen stehen hier bereit. Pilgernden wird hier eine Übernachtungsmöglichkeit im Gemeindehaus angeboten, was ziemlich cool ist. Zwei Fernradwege führen durch den Ort: der Nordseeküstenradweg und der Wikinger-Friesen-Weg. Ihr seht, das hübsche Örtchen ist vorbereitet. Cafés und Restaurants findet ihr hier.



Pilgern an der Nordsee – 2. Etappe
Von Oldenswort nach Husum (ca. 27 km)
Wehlen und Sommerwetter
Auf dieser Etappe geht es jetzt weiter in Richtung Witzwort. Solltet ihr den ersten Abzweig verpassen – der zweite führt ebenso zum Moordeich. Wenn ihr allerdings vor der St.-Marien-Kirche in Witzwort steht, seid ihr falsch. Obwohl sie eine hübsche Lady ist, muss ich hier umdrehen. Ich habe mich verfahren. Wieder auf der richtigen Route habe ich jetzt ein Highlight vor mir: den Porrendeich. Die Wehlen sind heute schon gut besucht, denn es ist wunderbares Sommerwetter. Ein Foto kann ich noch aus der Ferne machen, ohne die Privatsphäre der Badenden zu stören. An den Fischerhäusern finde ich einen sehr gemütlichen Rastplatz.



Wattenmeer und Naturschutz
Weiter geht es durch den Uelvesbüller Koog. Vor mir kann ich den Außendeich erkennen. Am Bauhof schließe ich mein Fahrrad an und schaue mit vielen anderen Radlern auf das Wattenmeer. Nordstrand, Pellworm und die Hallig Südfall liegen direkt vor mir. Nach einer Weile fahre ich weiter. Ich passiere die Sumpf- und Wasserflächen der Wester-Spätinge, wo der NABU-SH auch eine Info-Hütte bereit hält. Simonsberg liegt jetzt rechter Hand von mir. Der Kirchspielkrug ist verlockend, aber ich habe noch meine Erdbeeren dabei und eigentlich gerade gar keine Lust auf Pause. Der Weg fährt sich so wunderbar, dass ich gar nicht anders kann und einfach weiterrolle.



Immer am Deich entlang
Kurz vor der Hotelanlage Lundenbergsand (Wellness) finde ich meine Bank für die Pause. Leicht schattig genieße ich meine Erdbeeren und bin ein wenig traurig, dass ich gleich in Husum ankommen werde. Als ich wenig später am Campingplatz „Zum Seehund“ vorbeifahre, habe ich heute zum letzten Mal die Möglichkeit, an einer Badestelle zu verweilen. Nach kurzer Zeit biege ich nach Husum ins Land ein. Ich passiere Felder und stelle erst auf den zweiten Blick fest, dass da Rotkohl wächst. Um ein Foto komme ich nicht herum, da dieser Anblick sehr selten ist. In der Ferne kann ich schon die Hafenanlage von Husum erkennen.



Husum
Und dann ist es soweit. Ich stehe an der Ampel und bin wieder mitten im Leben. Um mich herum sind viele Menschen und es ist recht laut. Trotzdem fahre ich noch in die Husumer Innenstadt und schlendere ein wenig am Husumer Hafen. Der heutige Tag war großartig und ich freue mich auf den nächsten Etappen.
Das Kartenmaterial (4,95 EUR) stammt vom Kirchenkreis Nordfriesland, Breklum und nennt sich Broschüre: „Pilgern an der Nordsee“. Es enthält neben der Wegführung auch alle Unterkünfte, Telefonnummern und E-Mail-Kontakte zur Anmeldung.
Aber auch für Nicht-Pilgernde ist diese Tour empfehlenswert, da sie wirklich durch sehr schöne Gebiete führt. Der nächste Artikel führt von Husum nach Breklum, über Leck weiter nach Niebüll. Ich hoffe, ihr seid wieder dabei.
Hier geht es zum nächsten Abschnitt.
Eure Jacky