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Von Mohnschnecken und Selbstironie

„Es ist von größter Wichtigkeit, dass wir lernen, über uns selbst zu lachen.“
Katherine Mansfield
Mit Mohnschnecken ein Lachen zaubern
Da heute kein Wetter für große Abenteuer ist, werde ich Mohnschnecken backen. Kennt ihr das Phänomen? Grandios zubereitete Nahrungsmittel in einem Kochbuch, auf Pinterest oder Instagram sehen in der Herstellung gar nicht schwierig aus. Nach einem Selbstversuch ist das Ergebnis aber eher erschreckend als stimmig. Und ich bin ehrlich – Martha Stewart bin ich nicht. Mein Talent reicht für kleine und feine Dinge. Ich habe gelernt, schnelle und krisensichere Häppchen zuzubereiten. Und wenn möglich, mit wenigen Zutaten.
Also backen wir Mohnschnecken. Da geht auf keinen Fall etwas schief! Und Spaß macht es auch. Und während ich darüber nachdenke, frage ich mich, warum wir eigentlich so wenig über uns selbst lachen können. Wann hat das angefangen? Wenn ich meine Hündin beobachte, kann ich gar nicht anders, als über ihr manchmal sehr merkwürdiges Verhalten zu schmunzeln. Sie fühlt sich nie irgendwie komisch dabei. Und das fasziniert mich.
Aktivitätenplaner für unsere Mohnschnecken
Kurzüberblick
- Zuckeraugen
- Blätterteig
- Mohnfix
- Salted Caramel (hier Pickert)
- Zuckerschrift
Die Wahl der Hersteller bleibt euch überlassen. Nehmt einfach eure Lieblingssachen.
Inspirationsquelle
Die Mohnschneckenidee stammt von mir.
Zubereitung der Mohnschnecken
Zuerst wische ich meinen Küchentresen sauber. Und dann kann der Ofen auch schon vorgeheizt werden. Temperatur und Ober- / Unterhitze und die Backzeit entnehmt ihr ganz einfach der Blätterteigverpackung. Einfach den Teig ausrollen, mit Mohn bestreichen und mit Salted Caramel toppen. Auf den nächsten Bildern seht ihr, wie ich die Mohnschnecken zusammenrolle, schneide und in den Ofen schiebe. Dauert keine zehn Minuten. Kleiner Aufwand, große Wirkung. Und so können wir noch etwas plaudern.



Selbstironie schafft Resilienz
Die Dame unseres Zitats war Schriftstellerin und hat so einiges in ihrem Leben wegstecken müssen. Diese Zeilen schrieb sie einmal in einem Brief. Und sie trifft es auf den Punkt. Mit Selbstironie als Schild kann man schnell wieder Frau oder Herr über die Situation werden. Auch wenn es manchmal nicht so einfach ist. Das Schild sollte aber nicht zur Mauer werden, ein wenig Verletzlichkeit gehört zum Leben dazu.
Das heißt, dass man sich in schwierigen Zeiten ein guter Freund sein muss. Ein wenig Selbstmitgefühl steht jedem Menschen eine Zeit lang zu. Wichtig ist, sich nicht selbst zu bemitleiden. „Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen.“ Und wenn man genauer hinschaut, sieht man, dass die beiden – Wohlwollen und Humor – ein starkes Team gegen Perfektionismus und Selbstzweifel sind.
Wir dürfen nicht perfekt sein
Ich finde auch, dass uns die Selbstironie dabei hilft, nicht perfekt sein zu müssen. Und wenn ich nicht perfekt bin, dann passe ich gut zu den anderen nicht perfekten Menschen. Ganz oft sehe ich in meinem Umfeld die Scham, wenn irgendetwas nicht korrekt gelaufen ist. Eine gewisse Schockstarre wie bei bedrohten Meerschweinen tritt ein und die betreffenden Personen stellen sich vorsorglich tot. Warum? Nobody is perfect. Und nur, weil man sich die Augen zuhält, verschwindet das Problem nicht. Jedenfalls nicht, wenn man erwachsen ist. Also ja, lachen wir darüber und helfen uns somit auch gegeneinander, die Kuh vom Eis zu bekommen.
Schütze deinen Selbstwert
Die Betrachtung der Situation ist immer subjektiv. Wenn meine Situation furchtbar ist, dann ist sie furchtbar. Punkt. Ich denke, man sollte sich auch nie dafür selbst ins Lächerliche ziehen und seinen Selbstwert schützen. Auch wenn die Mitmenschen das anders sehen. Leid ist immer subjektiv. Wenn allerdings das eigene Ego etwas weniger Macht hat, ist der nächste Schritt nach einer Krise einfacher. Gesunde Selbstironie erkennt man daran, dass sie leicht, liebevoll und verbindend ist. Sie sagt nicht: „Ich bin wertlos“, sondern eher: „Ich bin menschlich – und manchmal ziemlich komisch.“
Innere Freiheit
Moderne Gesellschaften fördern oft Selbstoptimierung, Sichtbarkeit und permanente Selbstdarstellung. In den sozialen Medien, im Beruf und sogar im Privaten entsteht hier leicht der Eindruck, man müsse ständig überzeugend, erfolgreich und besonders sein. Dadurch wird das eigene Ich schnell zu einem Projekt, das verteidigt und verbessert werden muss. Selbstironie ist hier ein Gegengewicht. Sie sagt: „Ich bin wichtig, aber nicht der Mittelpunkt des Universums.“ Sie erlaubt Würde ohne Überheblichkeit, Selbstachtung ohne Selbstverliebtheit und Ernsthaftigkeit ohne Verbissenheit. Gerade deshalb ist sie keine Schwäche, sondern eine reife Form von innerer Freiheit.
Unsere Mohnschnecken sind fertig
Die Mohnschnecken sind fertig. Ich lasse sie abkühlen und nehme sie dann vom Gitter. Die Zuckerschrift hilft mir jetzt, die Augen auf den Schnecken festzukleben. Mit dem roten Stift male ich dann noch Münder an die Schnecken. Lachende, schmollende und grimmige Schnecken schauen mich an. Jetzt lasse ich alles trocknen und dann kann ich schon den Kaffee aufsetzen.



Ein wenig Selbstironie to go
- Nach einem kleinen Fehler:
„Okay, mein Gehirn hat gerade kurz auf Energiesparmodus geschaltet.“ - Wenn man etwas vergisst:
„Ich wollte mir eigentlich merken, was ich vergessen habe. Hat hervorragend funktioniert.“ - Bei technischer Ungeschicklichkeit:
„Ich und Technik – wir sind noch in der Kennenlernphase.“ - Wenn man sich verspricht:
„Das war sprachlich mutig, aber inhaltlich immerhin ambitioniert.“ - Bei übertriebenem Perfektionismus:
„Ich wollte nur kurz etwas verbessern und habe nebenbei ein Lebenswerk daraus gemacht.“ - Wenn man nervös ist:
„Ich wirke gerade sehr souverän – zumindest in meiner inneren Werbebroschüre.“ - Beim Sport oder Tanzen:
„Mein Körper interpretiert Rhythmus offenbar eher abstrakt.“ - Wenn man sich überschätzt hat:
„In meinem Kopf war das deutlich eleganter geplant.“ - Wenn man zu dramatisch reagiert:
„Danke an mein inneres Theaterensemble für diese kurze Aufführung.“ - Wenn man ungeduldig ist:
„Ich bin sehr entspannt – nur eben in Hochgeschwindigkeit.“
Und nicht vergessen!
Begegnet euch respektvoll. Wandelt in Gesellschaft keine Selbstironie in Spott. Das hat keiner verdient. Das Leben ist oft hart genug. Also passen wir aufeinander auf.
Eure Jacky
Kennst du schon den Pumpkin-Cheese-Pie?
Was er und Lebensträume gemeinsam haben? Ein leckerer Kuchen im Herbst – soviel ist garantiert!