Lesedauer: 8 Minuten

Von Lunden nach Tondern

Die Stadtbuchhandlung Bredstedt ist ein bunt gestaltetes Haus. Die Front ist gelb, die Fenster sind bunt umrahmt, der First ist blau gestrichen.

Eine Reise von Husum nach Niebüll

Willkommen zum nächsten Teil der Reise von Lunden nach Tondern. Drei Etappen warten darauf, erkundet zu werden. Diesmal geht es von Husum nach Niebüll. Ich hatte Glück und war mit gutem Wetter und wenig Wind beschenkt. Wobei – von Leck nach Niebüll war es schon ordentlich pustig und ich habe auf meinem Faltrad alles geben müssen. Aber ich will mich nicht beschweren. Die Zeit war gut und ich habe viel entdecken können.

Aktivitätenplaner für den Pilgerweg

  • Tour in einzelnen Etappen oder auch als Wochenreise
  • Planbar mit der Deutschen Bahn, wenn man die Etappen selbst aufteilt
  • Bahnhöfe in Lunden, Husum, Bredstedt, Langenhorn, Niebüll, Tondern
  • Busverbindungen auf der gesamten Strecke (Landverkehr mit wenig Fahrten)
  • Wander- oder Radtour
  • Rastmöglichkeiten auf dem Weg
  • E-Bike Ladestationen in den meisten Orten
  • Übernachtungsmöglichkeiten für Pilgernde in Gemeindehäusern (Reservierung erforderlich)
  • Hotels und Pensionen in den größeren Orten

Pilgern an der Nordsee – 3. Etappe

Raus aus Husum in die Freiheit

Es ist noch sehr früh am Morgen, als ich mich in Husum startklar mache. Ich werfe einen Blick in den Hafen, der noch völlig verträumt vor mir liegt und auf den kommenden Tag wartet. Wenig später passiere ich das Weihnachtshaus Husum, ein Ort, dem ich unbedingt einmal Aufmerksamkeit schenken muss. Der Weg führt mich weiter zur Jugendherberge und dann bin ich schon wieder am Deich. Ich treffe entlang des Radwegs auf einige Weidetore. Am vorletzten Tor werde ich aufgehalten. Also fahre ich ein Stück zurück, schiebe mein Rad über den Deich, um das Tor an der Außenkante zu nehmen und habe wieder freie Fahrt in Richtung Schobüll.

Seebrücken und Salzwiesen

Mein Weg führt mich nun durch die Salzwiesen bis zur Seebrücke. Hier treffe ich auf die ersten Menschen des Tages. Urlaubsgäste mit ihren Hunden drehen ihre Morgenrunde und genießen den frühen Tag. Mein Rad schiebe ich und habe so ausreichend Zeit, die Ruhe auf mich wirken zu lassen. Schobüll besitzt den einzigen weitgehend deichfreien Abschnitt an der schleswig-holsteinischen Nordseefestlandsküste, wodurch der Blick und die Hochwassermarken direkt das Geschehen am Wattenmeer erlebbar machen. Mein nächstes Ziel ist der Alte Badesteg von Schobüll. Ich schließe mein Rad an und laufe den schmalen Steg bis zur Wasserkante. Dort kann ich einen wunderbaren Blick auf Nordstrand genießen.

Immer am Deich entlang

Jetzt geht es noch ein Stück am Deich entlang, dann kehre ich kurz ins Landesinnere zurück. Ich streife Wobbenbüll. Weiter zieht es mich in Richtung Holmer See, zur Arlau Schleuse und wieder auf den Deich. Am Wasser sitzen schon einige Angler, denn Tag verspricht viel. Der Deich wird nun auch von vielen Radfahrenden bevölkert. Das Hotel Arlau-Schleuse ist gut besucht. Für eine Mittagspause ist es aber noch zu früh.

Ich trete weiter in die Pedale – zum Aussichtsturm Kranz. Der Turm bietet einen weiten Blick über die Halliglandschaft und den Beltringharder Koog. Für mich geht es jetzt wieder in das Landesinnere, denn mein nächstes Ziel ist Breklum. Der Weg führt mich an Feldern und Windrädern vorbei. Und wenig später stehe ich an meinem Etappenziel: dem Christian-Jensen-Kolleg. Kirchlich Interessierte können hier an vielen Veranstaltungen teilnehmen. Auf dem Gelände befinden sich einige Skulpturen und im Gästehaus kann man sogar über booking.com eine Auszeit buchen.

Pilgern an der Nordsee – 4. Etappe

Stadtgeflüster

Nachdem ich die Skulpturen betrachtet habe, fahre ich zurück zur Bundesstraße. Dort geht es bis zum Kreisverkehr und ich biege wieder in ruhigere Gefilde ab. An der GMS Bredstedt stoppe ich kurz und erfreue mich an einem witzigen Graffiti. Der Weg führt mich über das Erlebnisfreibad, den Friedhof und die St. Nikolai-Kirche direkt auf den Marktplatz von Bredstedt. Da am Wochenende Stadtfest war, sind viele Veranstaltungsbauer noch auf dem Platz und werkeln vor sich hin. Das diesjährige Bild zum Stadtfest steht noch für ein Shooting bereit. Ich werfe noch einen Blick auf das bunte Haus der Stadtbuchhandlung und dann geht es auch schon weiter.

So soll es sein, so kann es bleiben

Von Bredstedt geht es nach Bordelum und jetzt lass ich mich treiben. Vorbei an einer weiteren St. Nikolai-Kirche aus dem 13. Jahrhundert, immer weiter dem Balkon Nordfrieslands entgegen. Den Turm im Blick führt es durch einen wundervollen Abschnitt meiner Reise. Ganze 45 Höhenmeter muss ich auf den „Berg“ hinauf. Schon in der Steinzeit sollen die Menschen hier Zuflucht gefunden haben. In einem eisenzeitlichen Kulissendorf kann man viel über die Siedlungsgeschichte erfahren. Vor 500 Jahren grenzte sogar noch das Meer an den Stollberg. Das Dorf und den Turm besuche ich heute nicht, fahre über den „Bergkamm“ und rolle dann gefühlt endlos durch die Langenhorner Heide in Richtung Langenhorn. Am Regenrückhaltebecken im Jepsenweg bin ich meinem Ziel schon sehr nahe. Auf dem Weg zum Bahnhof entdecke ich einige kreative Stationen, die sich sehen lassen können.

Die Marschbahn als Begleiterin

Neben der Marschbahn geht es durch das platte Land. Zuerst erreiche ich Bargum. Dort statte ich der Kirche einen kurzen Besuch ab. Bei schönstem Kaiserwetter radle ich weiter in Richtung Stedesand. Ich überquere die Soholmer Au und lasse meinen Blick eine Weile schweifen. Über mir knistert der Freileitungsmast. Langsam fahre ich weiter und komme an die B5. Andreassylt und bunte Hühner lachen mich an – jeder kennt die Figuren am Straßenrand. Ein kleines Stück rolle ich noch in die kommende Ortschaft, dann muss ich abbiegen.

Auf Abenteuerwegen

„Man biegt links in einen Feldweg“, so steht es geschrieben. Aus dem Weg wird schnell eine Wiese und da es die Tage vorher ordentlich geregnet hat, muss ich bald schieben. Der Wiesenweg schlängelt sich zwischen Apfelbäumen hindurch und wird wenig später zu einem Waldweg. Ich schiebe noch ein Stückchen und genieße den Pilzduft. Kurz vor Klintum schwinge ich mich wieder auf mein Rad. Von hier ist es nicht mehr weit bis Leck.

Pilgern an der Nordsee – 5. Etappe

Das grüne Herz Nordfrieslands

In Leck komme ich an einem großen Insektenhotel vorbei. Hier muss ich kurz anhalten und die Anlage anschauen. Eine wirklich gute Idee der Stadtverwaltung. Die Nordseeakademie ist nicht weit entfernt. Wer den Weg pilgert, kann hier übernachten. Nun geht es am Fluss entlang und über eine Holzbrücke komme ich zur St. Willehad-Kirche. Einige Steinsärge aus dem 12. Jahrhundert stehen auf dem Gelände und geben Fragen zum Transport auf. Da die Kirche direkt am Marktplatz steht, kann ich auch schon durch die Geschäftsstraße schlendern. Einige schöne Cafés laden zum Verweilen ein. Da es schon recht voll ist, respektiere ich die Privatsphäre und verzichte auf Bilder. Überzeugt euch einfach selbst, wenn ihr in Leck seid. Eins hat mich besonders in den Bann gezogen: Der Vintagehimmel Leck.

Durch Felder und Wiesen

Oder „The Riding Dead“. Ich biege in den Bahnseitenweg und bemerke den immer stärker werdenden Wind nun direkt von vorn. Immer gerade aus geht nun die Reise. Entlang an einem stillgelegten Bahndamm. Beeren stehen Modell und eigentlich wäre es wunderbar, wenn der Wind sich weniger ins Zeug legen würde. Einige E-Biker ziehen an mir vorbei. Nur ein Rennradler mustert mein Faltrad und nickt anerkennend. Ich bin wohl noch recht schnell für meine kleinen Räder. Aber es ist ein Kraftakt – nicht nur für mich, auch für Pegasus, so heißt nämlich mein Begleiter.

Ich passiere die Kläranlage und stelle fest, dass sich die Gerüche über die Jahrzehnte geändert haben. Wo damals die Anlage (in meiner nostalgischen Erinnerung) nach altem, verbrauchtem Wasser roch, riecht sie nun nach Duschwasser und gar nicht mehr stinkig. Weiter geht es über die Schöpfwerke „Klixbüller Sielzug“ und „Engsiel“. Dann mühe ich mich die letzten Meter bis zur B5.

Die Entschädigung der Anstrengung

Nach der B5 lasse ich mich in einen Seitenweg rollen und fahre noch ein wenig parallel zum Bahndamm. Dann biegt der Weg nach rechts und ich kann schon Risum-Lindholm erkennen. Ein Hof mit Edelrost-Gartendeko bekommt meine Aufmerksamkeit. Hund, Katze, Angler und viele weitere Motive stehen zur Auswahl. Ich könnte mir vorstellen, dass Marple auch ein vorzügliches Modell wäre. Bald ist Weihnachten und das wäre ein richtig tolles Geschenk.

Immer weiter geht es an der Dorfstraße entlang, dann biege ich in die Steege ab und wenig später stehe ich vor dem Tor der Risumer Kirche. Die St.-Sebast-Kirche liegt sanft eingebettet im Gelände. Nach einer kurzen Besichtigungsrunde fahre ich auf meinen Weg zurück.

Sie haben ihr Ziel erreicht

Jetzt trennen mich nur noch wenige Kilometer von Niebüll. Hier ist die Kartenführung nicht so gelungen, aber alle Wege führen nach Rom – oder nach Niebüll. Ich gelange auch so zur Legerade und komme meinem Ziel immer näher. Die Niebüller Jugendherberge fahre ich heute nicht an, für mich führt der Weg vom Stellwerk direkt zum Bahnhof.

Ein schöner Tag geht zu Ende

Ich sitze im Zug und scrolle durch die Bilder des Tages. Ziemlich erledigt, aber glücklich. Es war ein sehr schöner Tag mit vielen Stationen. Nur noch eine Etappe liegt vor mir. Von Niebüll geht es nach Tondern. Zu Fuß. Und wenn ihr wollt, nehme ich euch mit.

Hier geht es zum ersten Teil des Weges.

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